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Impfungen für Kinder mit FOP: Was man tun darf, was nicht und das Dilemma daraus

Frederick S. Kaplan, M.D.

Es wurde oft beobachtet, daß Routineimpfungen neue Schübe von Gewebeverknöcherungen bei FOP-Patienten provozieren können. Diese Beobachtung löste große Bedenken bei der FOP-Gemeinde aus und es stellt sich die Frage: Sollen Kinder mit FOP die üblichen Kindheitsimpfungen erhalten?

Generell sollen Injektionen in die Muskulatur bei FOP-Patienten vermieden werden. Obwohl intramuskuläre Injektionen nicht immer neue Schübe von Gewebeverknöcherungen provozieren, ist es nicht möglich, vorherzusagen, was einen solchen Schub zur Folge hat und was nicht. Traumata jeglicher Art können einen FOP-Schub heraufbeschwören. Eine intramuskuläre Injektion ist eine Art tiefen Traumas.

Es wurde eine der Untersuchung der Impfgeschichten von 23 FOP-Patienten, die 21 Jahre alt und jünger waren, durchgeführt, um detailliertere Informationen über das Risiko zu ermitteln. Diese Altersgruppe wurde ausgewählt, weil man glaubte, daß die Familien eine bessere Erinnerung an die Vorgänge hätten und die Krankenkarteien genauer seien. Die 23 Teilnehmer (7 männliche, 16 weibliche) repräsentierten 72% derjenigen, die in den USA lebten und in diese Altersgruppe fielen. 16 Patienten (72%) meldeten keine Komplikationen nach einer Kindheitsimpfung. 6 Teilnehmer (27%), alle weiblich, entwickelten FOP-Schübe innerhalb von sechs Stunden nach einer Impfung gegen Diphterie-Keuchhusten-Tetanus. Drei der Sechs berichteten über Verknöcherungen ohne Beweglichkeitsverlust der Gelenke. Weitere drei Personen meldeten eine eingeschränkte Beweglichkeit als Resultat der Injektionen (1 im Knie, 2 in den Ellenbogen). Diese Reaktionen sind keine typischen Nebenwirkungen von Impfinjektionen und wurden von über 80,1 Millionen Kindern, die von 1978-1990 geimpft wurden, nicht gemeldet. Mit der Masern-Mumps-(MMR)-Impfung gab es keine Probleme unter den FOP-Patienten.

Um das Dilemma der Kindheitsimpfungen zu klären, setzte ich mich mit der Immunisations-abteilung des »Center for Disease Control« (CDC) in Atlanta, Georgia, in Verbindung. Diese Organisation ist verantwortlich für die Überwachung der nationalen Impfrichtlinien sowie für die Beobachtung der Verbreitung infektiöser Seuchen aller Art.

In meinen Gesprächen mit den Ärzten dieses Zentrums versuchte ich klarzustellen, daß Impfungen bei Kindern mit FOP nicht Routine sind, weil sie oft neue Schübe der Gewebeverknöcherung hervorrufen. Zum größten Teil sind groß angelegte Impfprogramme für die allgemeine Bevölkerung von sehr geringem Risiko. Tatsächlich rechtfertigt das geringe Risiko solche öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen. Wenn sie jedoch schwere Risiken für eine kleine Gruppe von Patienten beinhalten, muß dies sorgfältig in Betracht gezogen werden. Mit anderen Worten kann das Risiko einer tiefen intramuskulären Injektion weit größer sein als das geringe Risiko einer seltenen ansteckenden Krankheit.

Die Ärzte des CDC möchten dieses Thema detaillierter betrachten und erörterten mit mir ein Paket von Richtlinien, die bei der Entscheidungsfindung helfen können:

1. Alle Impfungen, die keine intramuskuläre Injektion beinhalten, sollten Kindern mit FOP verabreicht werden. Dies sind Impfungen gegen Masern, Mumps und Grippeart. Diese Impfungen können subcutan (unter die Haut) gegeben werden, praktisch ohne Risiko neue Knochenbildungen anzuregen. Auch sind Masern, Mumps, »rubella« und »hemophilus Influenza« ernsthafte Krankheiten bei fast allen Kindern und rechtfertigen das geringe Risiko. Es ist wichtig daran zu denken, daß diese Injektionen subcutan verabreicht werden.

2. Alle Kinder sollten die orale Polio-Schutzimpfung (Kinderlähmung) empfangen. Es ist klar, daß hier kein Risiko einer Gewebeverknöcherung besteht, da es sich um eine Schluckimpfung handelt.

3. Die Standard-DPT-Impfung (Diphterie-Keuchhusten-Tetanus) kann nur in den Muskel verabreicht werden. Deshalb sollte man ernsthaft in Betracht ziehen, diese Impfung zu vermeiden. Die Ärzte des CDC nehmen an, daß eine subcutane DPT-Injektion ernsthafte Hautschäden an der Stelle der Injektion verursachen könnte. Daher sollte sie NICHT subcutan gegeben werden. Das Risiko, an Diphterie zu erkranken, ist sehr gering. Keuchhusten kann mit Antibiotika behandelt werden, falls es sich entwickelt. Es ist auch sehr selten. Das Risiko einer Tetanuserkrankung ist ebenfalls extrem gering, sofern das Kind nicht eine Tetanus anfällige Verletzung erleidet. In einem solchen Fall kann »hyperimmune globulin« verabreicht werden, um die passive Immunität zu gewährleisten, sollte es zu einer Verletzung kommen. Die Immunisierung gegen das Tetanus-Gift, obwohl üblicherweise mit der DPT-Impfung verabreicht, kann auch als Einzelimpfung subcutan gegeben werden. Hepatitis B-Impfungen werden ebenfalls als intramuskuläre Injektion empfohlen. Jedoch kann auch eine modifizierte subcutane Verabreichung in Betracht gezogen werden.

Alle Staaten haben Impfvorschriften für Kinder, die eingeschult werden. Jedoch bieten alle Staaten der USA Ausnahmen an, durch die man die gesetzlichen Impfvorschriften umgehen kann.

Zusammenfassend ist die allgemeine Empfehlung, Impfungen gegen Masern und »hemophilus influenza« durchzuführen. Auch müssen Kinder die Polio-Schutzimpfung erhalten. Die Entscheidung, ob eine DPT-Impfung durchgeführt werden sollte oder nicht, muß den Eltern oder Kinderärzten überlassen bleiben, die das Risiko-Nutzen-Verhältnis im Zusammenhang mit der Familie und der Gemeinde bestimmen können. Jedoch sollte man sich ernsthaft überlegen, ob man die DPT-Impfung vermeiden kann, denn das Risiko einer neuen Knochenbildung kann weitaus größer sein, als sich mit Diphterie, Keuchhusten oder Tetanus zu infizieren.

Weitere Informationen erhältlich bei:

Lanchoney TF, Cohen RB, Rocke DM, Zasloff MA, Kaplan FS. Permanent heterotopic ossification at the injection site after diphtheria-pertussis tetanus immunizations in children who have fibrodysplasia ossificans progressiva. J. Pediatrics, in press, 1995.

 


 

 

 

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What is FOP? Fibrodysplasia Ossificans Progressiva: A Guidebook for Families © 1995, 1997

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