Allgemeine
Fragen über FOP
Was
ist FOP?
Fibrodysplasia
Ossificans Progressiva (FOP) ist ein seltener Zustand,
indem der Körper Extraknochen bildet an Stellen,
an denen Knochen sich nicht bilden sollten. Extraknochen
entwickeln sich innerhalb von Muskeln, Bändern, Sehnen
und anderem verbindenden Gewebe. Diese »unübliche
Extraknochenbildung« wird gemeinhin als andersartige
Verknöcherung bezeichnet. In Leuten, die an FOP leiden,
bilden sich Brücken von Extraknochen über den
Gelenken und führen zu Steifheit, Verblockung und
bleibender Unbeweglichkeit. Dieser Zustand beginnt oft
im Nacken- und Schulterbereich und schreitet entlang des
Rückens, des Rumpfes und der Gliedmaßen des
Körpers fort. Zusätzlich sind mit diesem Zustand
fast immer mißgebildete große Zehen (kurz,
gebeugt oder manchmal nach innen verkrümmt) verbunden,
die schon bei der Geburt beobachtet werden können.
Obwohl diese mißgebildeten großen Zehen wenig
Probleme verursachen, dienen sie als wichtiges Früherkennungszeichen
von FOP, vor Einsetzen der andersartigen Verknöcherung.
Obwohl
FOP angeboren ist, d.h. daß FOP vor der Geburt beginnt,
bilden sich Extraknochen nicht zu diesem Zeitpunkt. Symptome
von FOP beginnen üblicherweise während der ersten
zwei Lebensjahrzehnte; bei der Mehrheit der betroffenen
Leute wird FOP vor dem zehnten Lebensjahr diagnostiziert.
Entzündete (und manchmal schmerzhafte) Schwellungen,
typischerweise im Schulter- und Rückenbereich, sind
üblicherweise die ersten Anzeichen von FOP. Die Schwellungen
gehen evtl. zurück, aber hinterlassen einen Bereich
von ausgereiften Knochen. FOP-Patienten erfahren unterschiedliche
Zuwachsraten von neuer Knochenbildung; bei manchen ist
das Fortschreiten sehr schnell, während bei anderen
es sich allmählich vollzieht. Auf jeden Fall ist
die genaue Zuwachsrate nicht vorhersagbar, obwohl es ein
Muster des Fortschreitens zu scheinen gibt. Zum Beispiel
bilden sich Extraknochen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich
in der Kindheit, während sie sich an Hüften
und Knien während der Pubertät und des frühen
Erwachsenenstadiums bemerkbar machen.
Was
bedeutet FOP? Wann wurde es erstmals dokumentiert?
FOP
oder Fibrodysplasia Ossificans Progressiva bedeutet »weiches
verbindendes Gewebe, das sich fortschreitend in Knochen
verwandelt.« Die frühesten dokumentierten Fälle
datieren sich zurück ins 17. und 18. Jahrhundert.
1692 traf der französische Arzt Guy Patin einen Patienten,
der FOP hatte und erwähnte diese Begegnung in seinen
Notizen. 1740 beschrieb der britische Arzt John Freke
aus London, England, für die Royal Society of Physicians
ausführlich einen Erwachsenen, dessen Diagnose Schwellungen
über den ganzen Rumpf beinhaltete:
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Gestern
kam ein 14-jähriger Junge von gesundem Aussehen
zu uns ins Krankenhaus und fragte, wie man viele
große Schwellungen auf dem Rücken heilen
kann, die vor 3 Jahren auftauchten und seitdem
so groß wie Teile eines Brotlaibes gewachsen
waren, speziell auf der linken Seite. Sie erstreckten
sich über alle Nackenwirbel und reichten
bis hin unter zum Steißbein; ebenso erhoben
sich die Schwellungen von jeder Rippe seines Körpers
und verbanden sich in allen Teilen seines Rük-kens,
wie Verästelungen von Korallen es machen;
es war ein festes knöchernes Mieder.
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Nach
einiger Zeit wurde die Krankheit als Myositis Ossificans
Progressiva bezeichnet, was soviel heißt wie »Muskelgewebe,
das sich fortschreitend in Knochen verwandelt«. Der
Name wurde 1970 geändert (durch Dr. Victor McKusick
von der Johns Hopkins Universitätsschule für
Medizin) in Fibrodysplasia Ossificans Progressiva, um
deutlich zu machen, daß auch anderes weiches Gewebe
zusätzlich zu den Muskeln (wie etwa Bänder und
Sehnen) ebenfalls zu Knochen werden.
Wie
viele Menschen haben FOP?
Es
wird geschätzt, daß weltweit etwa 2500 Leute
FOP haben, oder ungefähr einer von 2 Millionen Menschen.
Solche Statistik wird besser verdeutlicht durch das folgende
Beispiel: Wenn ein großes Fußballstadion 100
000 Fans faßt, würde man fast 20 Fußballstadien
füllen müssen, um in der Menge einen FOP-Patienten
zu finden. Gegenwärtig kennen Forscher weltweit weniger
als 200 FOP-Patienten.
Wie
unterscheiden sich die zusätzlichen FOP-Knochen von
den Knochen des normalen Skeletts?
Die
Extraknochen bei FOP entstehen durch fortschreitende Umwandlung
weichen Gewebes in Knorpel und Knochen. Das ist der gleiche
Prozeß, wie bei der Regenerierung von normalen Knochen
nach einer Fraktur und ist fast identisch mit dem Vorgang
der Knochenbildung bei einem Embryo. Das Unnormale bei
FOP ist nicht die Art und Weise, sondern vielmehr der
Zeitpunkt und die Stelle der Knochenbildung.
Ist
er einmal ausgereift, ist der Extraknochen nicht von einem
normalen Knochen zu unterscheiden, außer durch seine
unnormale Lage. Der Knochen ist stark, kann Gewicht tragen
und reagiert auf mechanische Einwirkung wie ein ganz normaler
Knochen. Wenn der Extraknochen gebrochen ist, reagiert
er genauso wie ein Skelettknochen und heilt normal.
Wird
FOP schlimmer? Wird FOP jemals zum Stillstand kommen oder
sich zurückbilden?
Unglücklicherweise
wird sich der Zustand eines FOP-Patienten über die
Zeit nicht verbessern. Das "P" in FOP steht für Progressiva,
d.h., daß FOP mit zunehmendem Alter der Person fortschreiten
oder schlimmer werden wird. Weil FOP ein Teil des genetischen
Bauplans einer Person ist, werden FOP-Patienten mit diesem
Zustand geboren, auch wenn bei der Geburt noch keine Extraknochen
erscheinen. Deshalb werden FOP-Patienten aus diesem Zustand
weder herauswachsen, noch kann der Extraknochen, der durch
FOP hervorgerufen wurde, sich zurückbilden.
Der
Körper eines FOP-Patienten produziert nicht ständig
Extraknochen; eine an FOP erkrankte Person kann Monate
oder Jahre ohne Extraknochenbildung leben. Trotzdem gibt
es immer eine Möglichkeit, daß sich Extraknochen
bilden können, entweder ohne Warnung oder als Ergebnis
einer Verletzung, wie etwa eines Stoßes oder eines
Sturzes. Es ist auch möglich, daß sich trotz
einer offensichtlichen Verletzung keine Extraknochen bilden.
Es ist nicht klar, warum diese Krankheit sich mal ausbildet,
ruhig bleibt oder zu anderen Zeiten fortschreitet.
Was
ist die IFOPA und der FOP e.V.?
Die
Internationale Fibrodysplasia Ossificans Progressiva Vereinigung,
oder IFOPA, unterstützt Ausbildung, Klinik- und Grundlagenforschung
und Gedankenaustausch über FOP. Die IFOPA wurde 1988
durch Jeannie Peeper, einer Frau, die FOP hat, gegründet,
um die soziale Isolation, bedingt durch diese seltene
und erschöpfende Krankheit, zu beenden. Heute umfaßt
die IFOPA über 160 Familien in 21 Ländern.
Die
IFOPA veröffentlicht the FOP Connection, einen
vierteljährlichen Informationsbrief für FOP-Familien
und andere interessierte Personen. Die Zeitschrift verbreitet
Informationen über die Bewältigung der schweren
und chronischen Körperbehinderung genauso wie über
neueste Forschungsergebnisse und IFOPA-Unternehmungen.
Alle Mitglieder sind eingeladen, Ideen für Veröffentlichungen
und eigene Geschichten zu übermitteln.
Die
IFOPA wird unterstützt durch ein medizinisches Beratungsteam,
das auf klinischer Ebene mit FOP-Patienten zusammenarbeitet
und Forschung zur Ursachenfindung von FOP und Entwicklung
von effektiven Behandlungsmethoden dieser Abnormalität
unterstützt.
Die
Kontaktadresse der IFOPA ist:
IFOPA
International Fibrodysplasia Ossificans Progressiva Association,
Inc.
P.O.Box 196217
Winter Springs, FL 32719-6217
Phone +001-407-365-4194
Fax +001-407-365-3213
E-Mail: together@ifopa.org
Internet: http://www.uphs.upenn.edu/orl/index.htm
Die
Kontaktadresse des deutschen Vereins FOP e.V. lautet:
FOP e.V.
Fischener Strasse 6
D-87448 Waltenhofen
Tel.: (+49) 8303-921062
Fax: (+49) 8303-921063
E-mail: info@fop-ev.de
Internet: www.fop-ev.de
Was
ist das IFOPA-Informations-Zentrum?
Zusätzlich
zur FOP-Forschung hat die IFOPA die Bedeutung der FOP
Ausbildung erkannt. Wegen der Seltenheit der Krankheit
existieren immer noch viele falsche Informationen. Um
Familien, Ärzten und anderen interessierten Personen
beim Studium von FOP zu helfen, betreibt die IFOPA ein
Informationszentrum, eine Bibliothek, in der Familien
und Ärzte Informationen über FOP erlangen können.
Welche
Forschung wird in Bezug auf FOP betrieben
Dr.
med. Frederick Kaplan, Chef der Abteilung für metabolische
Knochenkrankheiten und molekulare Orthopädie am medizinischen
Zentrum der Universität von Pennsylvania, und Prof.
Dr. Michael Zasloff, freier Professor für Humangenetik
und Molekularbiologie an der Schule für Medizin der
Universität von Pennsylvania dienen der IFOPA als
medizinische bzw. wissenschaftliche Berater. 1989 riefen
sie das FOP-gemeinschaftliche Forschungsprojekt ins Leben,
als einen Versuch, Gedanken von Wissenschaftlern und Medizinern
weltweit zu teilen. 1992 führten ihre Anstrengungen
dazu, daß ein Labor errichtet wurde, das ausschließlich
der Erforschung von FOP und verwandter Abnormalitäten
dient. Dieses einzigartige Labor befindet sich in der
Abteilung für Orthopädie an der medizinischen
Schule der Universität von Pennsylvania. Dr. Eileen
Shore, die mit den Doktoren Kaplan und Zasloff zusammenarbeitet,
ist die Leiterin dieses molekularbiologischen Labors.
Das
FOP-gemeinschaftliche Forschungsprojekt besteht aus einer
internationalen Gruppe von Medizinern, Wissenschaftlern
und Medizinstudenten, die an allen klinischen und grundlegend
wissenschaftlichen Aspekten von FOP zusammenarbeiten.
Diese internationale Arbeitsgruppe widmet sich der Erforschung,
der Ursache und Entwicklung eines Heilmittels für
FOP. Die Forschungsgruppe der Universität von Pennsylvania
koordiniert die gemeinschaftlichen Grundlagen und klinischen
Forschungsanstrengungen mit Medizinern und Wissenschaftlern
weltweit. 1995 erhielt die Gruppe den Forschungspreis
des National Institutes of Health für das Studium
der molekularen Grundlagen von FOP. Sie wurden ebenfalls
ausgezeichnet mit dem Preis der Orthopaedic Research and
Educational Foundation für die Untersuchung eines
verwandten transgenetischen Tiermodells.
Wissenschaftler
studieren zur Zeit knochen-morphogenetische Proteine (BMPs),
die kürzlich bei diesem Krankheitszustand entdeckt
wurden. BMP's sind Proteine, die für die Bildung
des Skeletts gebraucht werden. Forscher haben kürzlich
entdeckt, daß eines dieser Proteine, BMP-4, ein
Hauptprotein für die Bildung des Skeletts, in einer
bestimmten Blutzelle von FOP-Patienten überproduziert
wird. Diese Feststellung wurde im The New England Journal
of Medicine veröffentlicht. Die Forscher versuchen
gerade, den ursächlichen genetischen Auslöser
für FOP, der zur Bildung eines Extraskeletts führt,
zu bestimmen. Dies könnte plausiblerweise das Gen
sein, das das BMP-4-Gen auslöst oder eines, das seine
Formveränderung reguliert. Die Forscher haben ebenfalls
neulich die Überproduktion eines mächtigen Proteins
erkannt, das während FOP-Schüben neue Blutgefäße
anregt. Dieses starke Protein zirkuliert im Blut und wird
während der Krankheitsschübe im Urin ausgeschieden.
Die
mögliche Verwandtschaft dieses Proteins zum knochen-morphogenetischen
Protein wird gerade näher untersucht. Blutgefäße
werden für die Knochenbildung gebraucht und wenn
neue Blutgefäße während der FOP-Schübe
isoliert werden können, dann ist es möglich,
die Extraknochenbildung zu stoppen. Forscher arbeiten
zur Zeit daran, zwei neue Heilmittel für FOP zu entwickeln.
Eines dieser Heilmittel ist dazu bestimmt, direkt die
Aktivitäten von BMP-4 zu unterbinden; das andere
soll die Bildung von Extrablutgefäßen während
FOP-Schüben verhindern. Diese zwei neuen vielversprechenden
Heilmittel zur Therapie befinden sich zwar z. Zt. in einem
frühen Forschungsstadium, basieren aber auf neuesten
detaillierten Laborergebnissen des FOP-Labors.